Förderkreis zur Erhaltung 
 der Ruine Wachtenburg e.V. 
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
Förderkreis zur Erhaltung
der Ruine Wachtenburg e.V.
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Sanierung:  
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Trotz minimalinvasiver Grabung informativ - Die Wachtenburg-Unterburg im Fokus


von Dr. phil. Holger Grönwald


Erneut ist über das Kooperationsprojekt „Die Hoch- und Spätmittelalterliche Wachtenburg bei Wachenheim a. d. Haardt und ihre Entwicklung“ zu berichten. Die 5. Kampagne stellte dieses Jahr ohne universitäre Beteiligung besondere Herausforderungen, welche die Aktiven des Förderkreises meisterten (vgl. letztes Heft). Mit der 6. Kampagne zwischen 28.09. und 16.10.2020 setzte die Lehrgrabung der Universität Freiburg wieder ein. Wie bisher war ein Sanierungsfall ausschlaggebend: die zwingende Erneuerung eines deformiert verbliebenen Teils der Ostmauer der Unterburgterrasse von 1986. Nicht mehr die davor liegende östliche Umfassungsmauer bzw. die Einfassungen des Zwingers.
Nachdem sich die Ursachen ihrer Zerstörung mit eindrucksvollen Befunden wie einem Unterminierungskanal und der Brandzerstörung der Bauten mit Unterstützung der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) intensiv ergründen ließen, bot sich die Chance für eine unmittelbar daran anbindende Grabung in der Unterburg. Hier gab es bislang noch keine archäologischen Untersuchungen.



Die Maßnahme E 2020/1209

Die exklusive Lage der Grabung – sicherlich mit Blick über die Rheinebene deutschlandweit mit bester Aussicht – ließ nicht enttäuschte, elementare Einsichten zur Gestalt und Entwicklung der Unterburg und des hier gelegenen Palas erwarten. Voraussetzung waren die vom Förderkreis zu bewältigenden logistischen Erfordernisse der Gewährleistung des Burgschänkenzugangs, Aushubabtransports und der Arbeitssicherheit sowie Abwasserleitungssicherung. Ohne dessen Beteiligung, getragen von D. Weilacher, B. Geibel, H. Heim, K.-H. Herch, U. Neuber und B. Pauli im Team mit den Ausgräbern (die Studierenden B.-M. Hahl, A. Zähringer, L. Martelli und N. Müller) wäre das bewältigte Volumen ohnehin unvorstellbar. Es wurde sogar eine Woche weniger als vorgesehen benötigt.
  Südlich eines Regenwasserschacht ließ sich eine erste Fläche von etwa 5,5 x 2,65 m entlang der erwähnten Mauer öffnen (ca. 3,95 m inkl. dieser). Zum Ende der ersten Arbeitswoche war sie soweit freigestellt, dass sie abgetragen und das gegebene Gefahrenpotential beseitigt werden konnte. Ihre Baugrube sowie Leitungsgräben störten erwartungsgemäß die Befunde an der Terrassengrenze. Da sich deren Eingriff in der Tiefe nach Osten verjüngte, waren jedoch im westlichen Drittel der Fläche Befunde erhalten, mit denen ein äußerst aussagekräftiges S-N-Profil dokumentiert werden konnte. Eine relativ hoch liegende Brandschuttplanierung und ein von Mörtelbrocken durchsetzter Brandhorizont auf der um 1470 genutzten Hofoberfläche ließen sich flächig frei präparieren – direkt an einer 85 cm starken, von Ost nach West verlaufenden, der Kernburg nord-nord-östlich vorgelagerten Zwingermauer. Sie lag nur 15 cm unter der rezenten, geschotterten Geländeoberfläche. Ihr Verlauf ließ sich mit mehreren Sondagen auch weiter westlich nachweisen. Inzwischen ist er in der Terrassenoberfläche vorm Ausschanktresen der Burgschänke nachgezeichnet. Allerdings taten sich ein paar im weiteren Verlauf der Grabung zu klärende Rätsel auf. Die Mauer teilte sich in mehrere Baubefunde, besaß eine Verbindung zur Kernburg und, wie sich später zeigte, noch einen parallel liegenden inneren Mauerzug. Möglicherweise diente er als Treppenunterbau. Hinsichtlich der anbindenden Stratigraphie bereitete Kopfzerbrechen, dass der Baubefund auf mächtigen, von reichlich Fundmaterial des 13. Jh. durchsetzten Planierungshorizonten aufsaß. Klärung bot nur die weitere Abtiefung bis auf den anstehenden Fels. über diesem erwartete uns, einen knappen Meter nach Norden versetzt, der Fundamentrest der eigentlichen, 98 cm dicken ursprünglichen Zwingermauer. Außerdem ein sorgfältig aus dem Fels ausgearbeiteter Graben zur Entwässerung des Zwingers mit seiner elementaren Wegeführung um die Burg. Diese die stauferzeitliche Kernburg nördlich sichernde Zwingeranlage gab man Anfang des 14. Jh. auf. Zugunsten ihrer Erweiterung mit der Unterburg und um deren Palas aus der Zeit der Belehnung des Reichsverwesers Johann von Luxemburg (* 1296, † 1346) zwischen 1316 und 1329. Den Umbaumaßnahmen fiel mindestens ein früher Becherkachelofen zum Opfer, dessen Kachelscherben zahlreich anfielen. Neben typischen Keramikresten trat zudem eine weitere Silbermünze zu Tage: erneut ein Händleinshaller (vgl. Heft 76 S. 6, Abb. 1), dessen Qualität und Ausführung ebenfalls am Ende des 13./Anfang des 14. Jh. anzusetzen ist.
 


Nach der sichernden Unterfangung des erwähnten Regenwasserschachts ließ sich die Untersuchungsfläche außerdem mit einem reinem Forschungsinteresse geschuldeten Schnitt von 4,74 m Länge nach Norden erweitern. Er brauchte nur schmal zu sein, band zur Vermeidung unnötiger Erdbewegungen eng an einem Baugrubeneingriff von 2007 zur Erneuerung der zuvor eingestürzten Terrassenmauer an und orientierte sich in Richtung der Palaswand-Sondage vom April dieses Jahres. In dieser waren Fußbodenfliesen nachweisbar, die sich dem Innenraum des Gebäudes zuordnen lassen und nicht wie sonst andernorts im Bauschutt landeten. Doch die Südwand des Unterburgpalas war bislang noch nicht lokalisiert. Dies gelang nun und ermöglicht, dessen erste Bauphase zu umreißen. Der Baubefund zeichnete sich klar ab – doch deutliche Unterschiede zum Bestand der Nordwand und dem in den vorangegangenen Kampagnen nachgewiesenen, sich nördlich anschließenden Erweiterungsbau erfordern eingehende Diskussionen. Bislang vom zeitweiligen Bestehen beider Bauten nebeneinander ausgehend ist zu überlegen, ob der erste nicht dem Erweiterungsbau wich und eine Vergrößerung des Hofs ermöglichte. Dann braucht es allerdings eine Alternativerklärung für die Einlagerung der modelgeformten Fliesen, die sich erst im Schutt des ausgehenden 15. Jh. über den bauzeitlichen Bodenaufplanierungen im Palasuntergeschoss fanden. Deren Entsprechungen auf der Südseite der neu nachgewiesenen Palaswand verbanden die Schnitte und Profilaufschlüsse der Kampagne und ermöglichten die Kontexte der beiden oben beschriebenen, räumlich zwar an selber Stelle, zeitlich aber deutlich getrennten Zwingermauern näher zu fassen. Die älter existierte vor der Errichtung der Unterburg und wich ihr.

Die jüngere entstand nach dem Bedeutungsverlust der Unterburg, um die ursprüngliche fortifikatorische Sicherung der Kernburg wieder herzustellen. Sie wurde aber nicht erst nach der Brandzerstörung von 1470 oder der eindrücklich nachgewiesenen Niederlegung der östlichen Umfassungsmauer nach 1471 errichtet. Vielmehr scheint sie ihren Ursprung bereits im letzten Viertel des 14. Jh. zu haben, als man den sog. „Städtekrieg“ zwischen Söldnern des Erzbischof Adolf von Mainz und Speyer beziehungsweise Nassau-Wiesbaden-Idstein (* 1353, † 1390) und Pfalzgraf Ruprecht I. des Roten/älteren (* 1309, † 1390) austrug. Der Konflikt um Unabhängigkeit von Fürsten und Reichsrittern brandete bis zu einem Friedensschluss um 1380 hin und her und die Burg zählte samt Stadt zu einem der „Geiselschlösser“, die ihn als Bürgschaften sicherten. Die Quellen schweigen zu Schäden an der Wachtenburg und möglicherweise ist nun erstmals eine Teilzerstörung zu fassen, der man temporär mit der Errichtung der jüngeren Zwingermauer begegnete. Während der Nutzung durch Elisabeth von Sponheim († 1417) oder speziell der Phase als Residenz von Herzog Stefan (* 1385, † 1459) und Anna von Veldenz (* um 1390, † 1439; Stammmutter der wittelsbachischen Linie Pfalz-Zweibrücken und des bayerischen Königshauses), während der man auch die Umfassungsmauern der Unterburg mit den nordöstlichen und östlichen Flankierungstürmen neu gestaltete, dürften der Unterburgpalas wiederhergestellt und die Zwingermauer bis auf ihren erhaltenen Stumpf abgebrochen worden sein.


Sie diente nun nur noch der Einfassung einer Wegeführung, der Gliederung des Unterburghofs und stand soweit frei, dass sich an ihr die Spuren der Brandzerstörung von 1470 anlagerten. Wiederum zeigt sich, dass Maßnahmen auf der Wachtenburg im besonderen Maße als historische Archäologie zu begreifen sind und überlieferungslücken schließen können. Parallel zur Grabung ließen sich die den Durchgang durch die Palaswand der Unterburg flankierenden Trockenmauern erneuern. Der rein den Bestand pflegende Ab- und Wiederaufbau ermöglichte, den östlichen Ansatz eines Mauerblocks zu dokumentieren, der sich nun als Treppe ins Obergeschoss verstehen lässt. Damit fanden die vom aktuellen Kooperationsprojekt vorgesehenen archäologischen Eingriffe ihren vorläufigen Abschluss und sind nun aufzuarbeiten. Das reiche Fundmaterial konnte bereits der GDKE übergeben werden.

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